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17. Stadtforum für den Münsteraner Sport: Profi-Fußball in MünsterMit klaren Bekenntnissen zum Profi-Fußball in Münster, dessen Unterstützung nicht zu Lasten des Breitensports gehen muss, warteten beim „17. Stadtforum für den Münsteraner Sport“ Verantwortliche wie eingeladene Referenten auf. Aktueller denn je war das Thema angesichts der in Münsters Politik laufenden Debatten um die von der Verwaltung für notwendig erachteten Sanierung des 1926 erbauten städtischen Preußenstadions. Viele Interessierte folgten der Einladung des Stadtsportbundes und der Stadt Münster zur Besichtigung der Spielstätte, in die Fußball-Drittligist SC Preußen in der laufenden Saison bereits 129.000 Besucher lockte. Aus nächster Nähe betrachtet wurde die Notwendigkeit der Instandsetzungsmaßnahmen deutlich. Sportderzernentin Dr. Andrea Hanke stellte gleichwohl die Frage in den Raum, die viele beschäftigt. „Wie viel darf, kann und soll die Stadt hier investieren? Ist es Aufgabe der Stadt, einen Profiverein zu unterstützen?“ Mit dem Blick ins Land wertete Dr. Andrea Hanke: „Andere Städte sehen ihre Traditionsvereine als Werbeträger. Wir in Münster sollten die Unterstützung für den SC Preußen nicht mit der Unterstützung für den Breitensport aufrechnen.“ Die Position der Verantwortlichen ist eine klare: „Will Münster Spitzensport, welcher Art auch immer, wird die Stadt die Voraussetzungen dafür schaffen.“ Mit Mitteln, die nicht aus dem Zwei-Millionen-Topf für Sportmaßnahmen kommen. Der SSB-Vorsitzende Jochen Temme rief beim Stadtforum dazu auf, „sich zu informieren und eine Meinung zu bilden.“ An sich sei der Grund der Debatte schließlich „ein erfreulicher: Der Drittliga-Aufstieg war ein für Münster entscheidendes Ereignis.“ Der Bedeutung des SC Preußen mit Neid zu begegnen, sei unangemessen angesichts der Tatsache, „dass der Profi-Fußball die Gäste in unsere Stadt holt.“ Andernorts stelle sich Münster Gästen gegenüber als lebenswerteste Stadt der Welt da. „Wir haben das gut gepflegte Stadttheater, wir haben die hervorragend gepflegte Halle Münsterland – aber in unserem Stadion haben wir nur die neue Tribüne. Temme ist entschieden der Meinung, „dass etwas geschehen muss. Und ich sage klar, dass ich zum Verein stehe und sogar mit dem Herzen an ihm hänge.“ Stadtdirektor Hartwig Schultheiß, dessen Verwaltungsexperten den Sanierungsbedarf des Stadions mit einer Größenordnung von drei Millionen Euro bis 2020 hoch gerechnet haben, äußerte „ein gewisses Unverständnis“ über die emotionalen Reaktionen, mit denen er und die Verwaltung konfrontiert wurden. „Zwingender Handlungsbedarf wurde schon in den 1980er Jahren festgestellt.“ Sein Blick in die Historie erklärte, warum angesichts der früheren Perspektiven zum Stadion-Neubau nichts passierte an der Hammer Straße. Erst der Tribünenbau habe den Verein in eine neue Einnahmesituation gebracht. „Es gilt aber jetzt, das Stadion insgesamt in einen mittelmäßig akzeptablen Zustand zu überführen. Über nichts anderes sprechen wir: Wir müssen die zwingenden Voraussetzungen erfüllen, damit hier weiter Fußball gespielt werden kann.“ 16 der 20 in der 3. Liga genutzte Stadien sind laut Schultheiß in kommunaler Hand, acht davon verfügen über eine Rasenheizung. Dass die Erneuerung der hiesigen und völlig überspielten Fläche eine Notwendigkeit ist, sei unstrittig. „Es wäre unverantwortlich, bei dieser Maßnahme nicht die Vorinstallationen für eine Rasenheizung vorzunehmen.“ ![]() Eine neue Sanitäranlage gehöre „zur Grundausstattung“, die vielen anderen „katastrophalen Stellen im Stadion“ zeugten zudem von einem erheblichen Sanierungsstau, der Stück für Stück abgearbeitet werden müsse. „Wir haben hier eine Größenordnung an Kosten ermittelt, die absolut kommunizierbar ist auch angesichts der Standards, die sich Münster selbst in anderen Bereichen setzt.“ Der Fußball Marke SC Preußen sei „eine tragende Säule des Sport – von einem guten Stadion profitieren auch andere Vereine.“ Preußen-Präsident Dr. Marco de Angelis hat die Mitfinanzierung diverser Maßnahmen durch den Verein nie in Abrede gestellt. „Das Stadion ist Eigentum der Stadt, der Eigentümer hält es in Schuss. Das aber ist lange Zeit nicht passiert.“ Alleine die Resonanz der Bevölkerung im Aufstiegsjahr und während der laufenden Serie beweise, „dass der SC Preußen für viele ein Stück Lebensqualität darstellt.“ Der hohen Wichtigkeit des Klub müsse mithin Rechnung getragen werden. De Angelis machte, was einzelne Diskussionen in der Sanierungsdebatte betrifft, keinen Hehl aus seiner Verwunderung. „Eine Riesenanzahl von Städten baut neue Stadien – hier sprechen wir über einen Betrag von 200.000 Euro, den der Verein zusätzlich schultern soll. Da habe ich ein gewisses Befinden.“ Der Verein habe seit Mitte 2008 aus seinen Mitteln 1,7 Mio. Euro in den Stadionbetrieb investiert. „Angemessen ist jetzt, nicht über die Notwendigkeit einer Rasenheizung zu diskutieren, sondern zu handeln.“ Der SC Preußen sei aus Etatgründen nicht in der Lage, „die über unsere anerkannten Betrag hinaus gehenden 200.000 Euro zu investieren. Wir tun, was wir können, aber diese zusätzliche Summe haben wird nicht.“ Bewusst weg von der aktuellen Debatte lenkte der langjährige Profimanager und Ex-Preuße Helmut Kalthoff den Blick auf die Konkurrenzsituation in Deutschlands Profi-Fußball und leitete daraus planerische Verpflichtungen auch des Adlerklubs ab. Just an seinem Geburtstag veranschaulichte der 64-Jährige mit etlichen Zahlen aus der Studie („Verhältnis der Sitzplatzkapazität zur Gesamtkapazität sowie die Anzahl der Business-Seats und Logensitze“) seiner in Münster ansässigen HKS-Stiftung ausführlich, wohin die Reise geht. In einem Stadion mit 3000 Sitzplätzen sei das Bundesliga-Gründungsmitglied aktuell wettbewerbsfähig und könne auch mit einem Zweitliga-Aufstieg liebäugeln. Einer dauerhaften Chancengleichheit in den Bundesligen stehe jedoch diese Einnahmesituation entgegen. Kalthoff votierte für eine „Grundsatzentscheidung“ seitens der Klubs, die im Kreis der besten 56 Standorte (Vereine in den Ligen eins bis drei) verbleiben wollen. Münster Vorteil sei die „Option Nieberdingstraße – eine solche Option hat zum Beispiel der VfL Osnabrück nicht.“ Seine Studie weist nach, welcher Verein wirtschaftlich wie potent aufgestellt ist und in welchen Kommunen Entwicklungspotenziale vorhanden sind. Auch der SC Preußen müsse für sich festlegen, in welchem Bereich er sich etablieren wolle – unter den besten 30, 40 oder 50 Klubs. Angesichts der Rasen(heizungs)debatte wies Kalthoff den Klub auf diese Möglichkeit hin: „Es gibt Varianten, die einen Verein zu einem Unternehmen mit eigener Planungshoheit machen und damit unabhängig von aktuellen politischen Strukturen.“ ![]() |
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